Alles über den Haufen geworfen- kleine Planänderung

Eigentlich wollten wir ja den direkten Weg nach Marrakesch nehmen, um in der Nähe im Skigebiet Qukaimeden zu snowboarden.

Eigentlich wollten wir nur einen Monat in Marokko bleiben. 

Eigentlich wollten wir vor Mai durch Kamerun sein, weil da die Regenzeit beginnt.

Eigentlich… bis wir Marc kennenlernen und er uns soviel Begeisterung über Marokko vermittelt hat, uns die Angst vor der Regenzeit genommen hat und uns in unsere Reise die wir vorhaben etwas langsamer zu machen, deutlich gebremst hat.

Aber wer ist eigentlich Marc und warum tut er das?

Ich denke ich erzähle die Geschichte doch mal von vorne, beziehungsweise von Jaffer.

In Jaffer bekamen wir eine Nachricht von Judith und Bernhard die wir auf der Fähre Genua- Tanger kennerlernten. „Sie sind an einem wunderschönen, günstigen Campingplatz in Merzouga mit Pool, stehen in den Dünen der Sahara und suchen noch einen Mitfahrer für ihre erste Offroad Piste.“ Okay, warum nicht “dachten wir uns und sind in einem Tag bis nach Merzouga gefahren. 

Kilometer in Marokko zu machen ist nicht das gleiche wie zuhause. Die Kilometer ziehen sich ins unendliche, auch wenn die Straßen geteert sind. Auch das wir bei vielen Stellen halten um Bilder zu machen ist für unsere Reisegeschwindigkeit nicht gerade förderlich. Marokko´s Straßen haben viele Gesichter, von Autobahnen die wir bis jetzt komplett vermieden haben, bis gut geteert über schlecht geteert bis hin zu Schotterpisten die zum Beispiel mit unserem vorherigen Auto, einem Audi A4,  unbefahrbar gewesen wären! Und dann gibt es natürlich noch die Offroad-Pisten, ich habe sie zu Anfang gehasst, ich hatte Angst!  Angst um uns, aber vor allem Angst um Lütje.

Nun muss ich gestehen, liebe ich Offroad - Pisten, nicht nur zum mitfahren, vor allem zum selbst fahren. Ich habe nun gesehen was unser Lütje kann und was vor allem unser Zwischenrahmen kann. Nun gut, wir sind also innerhalb eines Tages bis Merzouga zu unseren Freunden Judith und Bernhard gefahren. Und da standen wir nun, das erste mal mit unserem Zuhause im Sahara Sand. Es windet und ist eher kalt, der Sand an den Füßen ist schön warm und wahnsinnig weich. Wow… was für ein Gefühl, sein Haus direkt in den Dünen stehen zu haben. Unbeschreiblich.

Lütje direkt vor den Dünen im Erg Chebbi

Auf den Campingplatz stehen außer Judith und Bernard noch zwei andere Expeditionsmobile, Tobi und Tine mit der kleinen Frida und einem Mercedes Kurzhauber, und Marc & Doro mit einem Steyr 12M18 oder eventuell auch besser bekannt als Landy2Go.de. Marc & Doro haben mit ihrem Landy schon die Transafrica gemacht, eigentlich genau die Route die wir auch machen wollen. Das trifft sich ja super! Marc schnattert munter drauf los und gibt uns in der ersten halben Stunde schon soviel Input wie ich gar nicht aufnehmen konnte. Wir haben uns dazu entschlossen Abends mal gemütlich zusammen zu sitzen und ich mir alles Schritt für Schritt bzw. Land für Land aufschreibe. Auf dem Campingplatz Heaven la chance haben wir zwei schöne Abende verbracht und uns entschlossen am nächsten morgen Richtung Zagora zu fahren da dort ein toller „Sandspielplatz“ für unsere großen Jungs ist. Für uns war klar, wir fahren nur mit zum Sandspielplatz und machen dann eine Pistenkuh Route wieder zurück zum Campingplatz wo Marc und Doro stehen, denn wir bekommen ja noch viele Informationen, auf die wir nicht verzichten wollen/ können. Den GPS Punkt für den Platz haben wir von Marc via Air Drop bekommen und fuhren mit Judith und Bernhard los, kurzerhand entschlossen sich Tine & Tobi auch mitzufahren. Sehr gut für uns, der Kurzhauber wiegt etwas weniger wie unser Lütje, kann uns aber im Gegensatz zu einem Toyo mit Aufsetzkabine wieder aus dem Sand ziehen falls es nötig wäre. Die Piste war in etwa 90 Kilometer lang, allerdings haben wir knapp 4 Stunden gebraucht. Dort angekommen war zum dritten mal der ganze Badschrank und der obere Küchenschrank auf dem Boden verteilt. Nun hieß es erstmal aufräumen, umräumen und dann erst in den Sand. Als alles verstaut wurde, und zwar endlich so das nichts mehr passieren kann, ging es endlich los. Andi wollte zum Anfang keine Luft aus den Reifen rauslassen und mal sehen wie elegant sich 11 Tonnen und 7,5 Bar durch den Wüstensand bewegen. Das Ergebnis war sehr elegant, denn bewegt hat sich nicht viel ausser so ziemlich gleich mal die Luft aus den Reifen. Mit 2 Bar pro Reifen ging es richtig gut, Lütje sinkt so gut wie gar nicht ein und gleitet auf dem Sand. Hammer! Ein Erlebnis so ein schweren Truck bzw. unser Zuhause über die Sanddünen flitzen zu sehen. Mitten im Nichts, direkt vor den Dünen schlugen wir unser Nachtlager auf, saßen gemütlich um unser erstes Lagerfeuer in Marokko, weihten endlich unseren Dutch Oven ein und lauschten der Gitarrenmusik von Andi & Bernhard. Solche Abende habe ich mir immer vorgestellt wenn ich an unsere Transafrica denke. 

Am nächsten Morgen relativ früh, pumpten alle wieder ihre Reifen auf und wir gingen getrennte Wege. Die anderen fuhren nach Zagora, wir fuhren die Piste wieder etwas zurück um unsere Off-Road Route den Merzouga Rundkurs mit nochmals 103 Kilometern zu bewältigen. Die Piste führte dicht an der algerischen Grenze entlang und hier mussten wir durch unseren ersten Militärposten. Kurz vor Sonnenuntergang waren wir wieder im Haven la Chance und haben uns komplett ausgehungert gleich 3 Hauptspeißen inkl Vorspeise und Dessert gegönnt.

Nun kommen wir auch endlich mal zu Marc und warum wir unseren Plan geändert haben.

Wie schon erwähnt, Doro & Marc haben vor ein paar Jahren die Transafrica gemacht, von Deutschland nach Namibia in 6 Monaten, das wäre das einzige was sie ändern würden und auch bereut haben. Nicht genug Zeit für die Westroute zu haben. Die Transafrica über die Westroute ist anstrengend, sehr anstrengend, mit Urlaub kaum zu vergleichen. Nicht nur Fahrerisch anstrengend (man könnte theoretisch die ganze Route auf asphaltierter Straße machen, aber wer will das schon? :) ) sondern alleine die Beschaffungen der Visa unterwegs sind sehr komplex und alles andere einfach zu beschaffen. Dazu kommen noch die Informationen die man ständig einholen muss, welche Route ist sicher, wo sollte man nicht hinfahren und wo gibt es welchen Grenzübergang. Das man da doch die ein oder anderen Tage an einem schönen Stellplatz stehen möchte um einfach mal runterzukommen klingt da relativ plausibel. Also, wird das schon mal nichts bis Mai durch Kamerun durch zu sein, da beginnt ja die Regenzeit und das war unsere eigentliche Angst. Nun wurde uns aber die Angst komplett genommen aus folgenden Gründen.

man kann jedes Land auf asphaltierter Straße durchqueren

unsere Angst - Stelle in Kamerun aus diesem Horrorvideo von Freddy Reck wurde geteert! 

man soll sich um die Regenzeit Gedanken machen wenn sie wirklich da ist und nicht eine ganze Reise, die man nie wieder in seinem Leben machen wird, davon abhängig machen

Die Regenzeit ist unvorhersehbar, manche sagen Mai - andere wiederum März oder April

Marc hat uns entschleunigt, wir waren der Meinung wir würden es langsam angehen aber erst nach diesem Denkanstoß haben wir ziemlich an Tempo verloren und wir finden es grandios.

Uns nun komplett auf Marokko einzulassen, tiefer in dieses unbeschreibliche Land eintauchen und doch etwas länger hier bleiben.

Herzlichen Dank für deinen Beistand und deine Hilfe!

Marc und Pia bei der Routenplanung 

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Kommentare: 2
  • #1

    Frankenbub56 (Montag, 03 Dezember 2018 20:22)

    Hallo Ihr zwei.
    Schöner Bericht. Macht Spass zu lesen. Genau das entschleunigen habe ich gemeint, als ich am Anfang einmal fragte, ob Ihr noch im Urlaubs- oder schon im Weltreisemodus seid.

    Wir Deutschen/Österreicher tun uns erst mal schwer aus dem "alles ist geplant" Modus raus zu kommen.

    Euch noch viel Spass und viele schöne Erlebnisse.

    Gruß Edgar

  • #2

    hage (Donnerstag, 06 Dezember 2018 14:09)

    Hallo,

    die "Wertheimer Zeitung" ist auch stets bei euch. ;-) Wir verfolgen hier in der aktuell nasskalten und ziemlich spätherbstlichen Main-Tauber-Region begeistert eure Reise und freuen uns schon auf die nächsten Blog-Einträge. Weiterhin viel Spaß in Afrika!

    Beste Grüße,
    Frank Hagenauer (Wertheimer Zeitung)