Schweißausbrüche in den Bergen

Von Foum Zguid aus sind wir in die nächst größere Stadt Ouarzazate gefahren. Schon als wir die Promenade in die Stadt gefahren sind, lässt sich hier sofort erkennen, die Stadt hat Geld. Ein Filmstudio nach dem anderen reiht sich an der Straße, die Stadt wirkt sehr sauber und gepflegt, die Autos sind wieder teuer und der Müll vom Straßenrand wird entfernt. Ouarzazate ist das. „Hollywood Marokkos“ hier und im benachbarten Ait Ben Haddou, zu dem ich gleich komme sind schon etliche Blockbuster gedreht worden. In Ouarzazate haben wir uns noch zwei Tage aufgehalten, Einkäufe erledigt, unsere Trittbretter schweissen lassen, Bier gekauft ( das ist nur in wenigen Städten in Marokko möglich und dann auch noch für überteuerte Preise) und den ganzen Wüstensand entfernt. Von Ouarazate aus sind wir innerhalb 30 Minuten nach Ait Ben Haddou gefahren, hier wurden Teile von Filmen und Serien wie z.b. Game of Thrones, Gladiator, die Bibel, Prince of Persia, Indiana Jones und noch viele mehr gedreht. Die eigentliche Stadt aus Lehmbauten liegt hinter einem Fluss und hier leben noch Familien komplett ohne Strom. Anscheinend wurde die Stadt im 12 Jahrhundert errichtet und ist seit 1987 als Weltkulturerbe von der UNESCO anerkannt. In Ait Ben Haddou haben wir einen Campingplatz aufgesucht da wir dringend Wäsche waschen mussten, naja sauber wurde sie leider nicht. Die Waschmaschine musste mit kaltem Wasser aus dem Schlauch nebenan befüllt werden, danach das Wasser ablassen, wieder sauberes Wasser rein, ausspülen und dann wieder Wasser ablassen. Schleudern gab es nicht, deshalb haben wir die Wäsche ausgewrungen und klatsch nass aufgehängt. Da hätten wir uns auch die 2 Euro sparen können und alles von Hand waschen - der Arbeitsaufwand wäre der gleiche gewesen nur die Wäsche wäre wahrscheinlich sauberer geworden :)

Früh am Morgen haben wir alles zusammengepackt, gefrühstückt und sind endlich Richtung Oukaimeden gefahren wo ein Skigebiet ist, laut Google hat es dort auch schon Schnee.

Wir fuhren über den sehr steilen und hohen Pass Tizi n Tichka, mit ca 2200 Metern. Oukaimeden ist nur über die Piste 2030 erreichbar die noch steiler und noch schmaler auf 2650 Meter geht. Kurz vor dem Pass ist der Druckluftschlauf von meinem Federsitz geplatzt, der Motor war einfach zu heiß, da wir an dem Tag viele Höhenmeter mit Lütje gemacht haben und die lange Strecke ihm einiges abverlangt hat. Provisorisch hat Andi den Schlauch mit einem Kabelbinder abgeklemmt damit die Druckluft wenigstens im Bremskreis bleibt. Sind ja nur knapp 30 Kilometer bis zum Ziel. Oben angekommen haben wir uns auf einen leeren Parkplatz in nähe der Sessellifte gestellt und mussten zu unserem Bedauern feststellen das leider zu wenig Schnee liegt und deshalb die Lifte nicht geöffnet haben. Ein Einheimischer meinte in zwei Wochen könnte es Schnee geben. Sehr schade, aber auch nicht zum ändern. Eine Nacht haben wir auf dem Parkplatz verbracht, Andi hat sich um die Druckluftleitungen gekümmert, damit wir die 2000 Meter auch heil wieder runter kommen, ich musste mich etwas auskurieren da ich leider von Montesumas Rache befallen worden bin. Nachmittags wollten wir noch in die kleine Ortschaft um etwas einzukaufen und bei einem Gebirgsbach Wasser auffüllen da unseres komplett leer war. Das hat mit unserer Druckwasserpumpe einwandfrei funktioniert und der 200 Liter Tank war schneller voll als bei sämtlichen Wasserversorgungsstationen. Auch einen neuen Platz für die nacht haben wir gefunden, über eine breite Piste quer um den Hügel rum, sind wir geschützt vor den Blicken der Stadt und komplett abgeschieden. Oben angekommen haben wir Mohamed kennengelernt. Er kommt vom benachbarten Dorf das nur per Fuß oder Esel zu erreichen ist und kommt öfter nach Oukaimeden zum Walnüsse verkaufen. Mohamed der übrigens 70 Jahre alt ist und uns zwischen Geröll das er uns gezeigt hat, rumgesprungen ist wie eine kleine Bergziege, gesellte sich für ein paar Stunden zu uns und so konnten wir uns mit gebrochenem Französisch, Händen & Füßen sehr nett unterhalten. Wir teilten unser Bier mit ihm, reparierten notdürftig seine verschlissenen Wanderschuhe und er teilte mit uns seine Walnüsse und zählte uns die Berge direkt vor unseren Augen auf. Kurz nach dem Sonnenuntergang wurde es sehr kalt, Mohamed verabschiedete sich und wir setzten uns rein. Es war kalt, bitter kalt so haben wir unsere Heizung mit voller Power laufen lassen um auch am nächsten Morgen warm duschen zu können. Andi programmierte die Heizung mit Zeitschaltuhr dass sie am nächsten Morgen nochmal angeht und wir im warmen aufstehen können. Kaum legten wir uns in Bett war es richtig heiß sodass wir nicht schlafen konnten. Wir haben fast die ganze Nacht stoßgelüftet um die heiße Luft nach draußen zu leiten. Fast unmöglich da wir eine Wasserheizung haben und das heiße Wasser in den Leitungen kontinuierlich heizt, auch wenn die Heizung schon lange aus ist. In dieser Nacht war an Schlaf kaum zu denken, wir schwitzten und schwitzten. Draußen hat es Minusgrade und wir vergehen fast vor Hitze :) Daraus haben wir bestimmt gelernt.  Am nächsten Morgen packten wir zusammen und fuhren knapp Eine Stunde über die Steile Passtraße wieder zurück in dickere Luft. Unser Weg führt uns nun nach Marrakech wo wir noch einen Kupplungsnehmerzylinder besorgen wollen und unseren Wlan Router, der es leider nur eine Woche überlebt hat, ersetzten. 

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