Einzelbereifung Expeditionsmobil

 

Größer, breiter - besser könnte man meinen wenn man sich in der Branche der Offroad "Fiecher" umschaut! Machen wir auch dachten wir uns, hat nur nicht so ganz geklappt... 

 

Als wir unseren Lütje gekauft haben war er noch in seinen "Kinderschuhen" unterwegs... 9R22,5 haben Ihn 41 Jahre über den Asphalt getragen. Da wird's mal zeit für ein paar neue "Schuhe"!

 

Wie geht man nun an die Thematik ran? In erster Linie ist es sehr Hilfreich wenn man weiß welche Felgen auf das Fahrzeug passen.

 

FELGEN

Zu einem Reifen gehört natürlich eine Felge! Und bevor man eine Entscheidung über die zukünftige Bereifung trifft ist die Wahl der Felgengröße unumgänglich. Hierbei treffen die beiden Größen 20" und 22,5" aufeinander. Über 90% aller LKW fahren wohl mit 22,5", was für eine gute Verfügbarkeit dieser Größe Spricht! Klarer Vorteil von 20" - die Reifenflanke wird höher (der Durchmesser von 20" ist natürlich kleiner als der einer 22,5" Felge) und damit hat der Reifen mehr "Fleisch" von Felge bis Boden - was wiederum hilfreich beim Sandfahren ist, da sich die Aufstandsfläche des Reifens besser vergrößern lässt und der Reifen sich auch schön "aufbauchen" kann. Das kann ein Reifen auf einer 22,5" Felge natürlich auch, wenn er einen dementsprechend großen Durchmesser hat. Bei unseren 13R22,5 funktioniert das auf jeden fall einwandfrei! Ein Nachteil von 20" ist die weltweite Verfügbarkeit, da diese Größe einfach eine "Rarität" bzw. nicht so gebräuchlich ist in der LKW Branche.

 

 

 

EINPRESSTIEFE

Schönes Wort, aber was steckt dahinter? - Sie beschreibt einfach gesagt wie weit sich die Felge über unsere Bremstrommel stecken lässt bis der Flansch anliegt. Bei der Wahl der Einpresstiefe ist zu beachten dass eine möglichst identische Spurbreite von VA und HA gegeben ist. Ausgleichen lässt sich diese u.A. auch durch Distanzscheiben. Uns hat die Einpresstiefe ein Bein gestellt - denn ursprünglich waren 385/65R22,5 Reifen angedacht - diese haben auch einwandfrei auf das Fahrgestell gepasst und sahen dazu noch gut aus - doch als wir damit losfahren wollten tat sich nichts. Die Spurstangenhebel waren aufgrund der Einpresstiefe schon in der Felge angestanden so dass sich diese nicht mehr rotieren konnte. Eines dieser unvorhergesehenen Probleme eben. Aufgrund dessen sind wir dann auf die schmäleren 13R22,5 umgestiegen, welche auf einer Felge von Volvo sitzen. Volvo deshalb, da nur diese Felgen die notwendige Einpresstiefe besitzen um diesen Reifen auf unserem Fahrgestell zu montieren.

 

EINZELBEREIFUNG

Auf beinahe jedem Offroad LKW, Expeditionsmobil, Fernreisemobil oder wie man es auch neuen mag, findet man Einzelbereifungen. Das heißt dass auf der Hinterachse "nur" zwei anstatt vier (Zwillingsbereifung) Reifen stecken. Dies hat vor allem den großen Vorteil dass wenn wir Pisten fahren sich keine Steine zwischen den Reifenflanken festsetzten können (Führt meist zu einem erhöhten Verschleiß und kann den Reifen stark beschädigen wenn diese nicht regelmäßig entfernt werden). Des weiteren kann bzw. sollte bei einer Zwillingsbereifung nicht mit einem niedrigen Luftdruck gefahren werden (SAND) da sich durch das aufwölben der Reifenflanken sich diese touchieren, aneinander reiben - was ebenfalls zu erhöhtem Verschleiß führt. Eine Einzelbereifung macht für unsere Zwecke also am meisten Sinn! 

 

TRAGFÄHIGKEIT

Abhängig von den Achslasten wird zunächst die notwendige Tragfähigkeit eines Rades bestimmt. 

 

Beispiel.: 

Das Fahrzeug wiegt 10t - VA (Vorderachse) 4t und HA (Hinterachse) 6t

-> Ein Rad auf der Vorderachse sollte also 2t tragen können - an der Hinterachse 3t //bei Einzelbereifung

 

 

 

Sollten die Achslasten nicht bekannt sein (Fahrzeug in Planung) hilft eine Überschlägige Rechnung um einen ersten Wert zu kommen. Oder man orientiert sich an der maximal zulässigen Achslast des Fahrzeugs. Haben wir nun die Tragfähigkeit ermittelt fallen auch schon einige Reifen aus dem Sortiment raus. Dennoch ist noch lange kein Überblick geboten.

 

 

 

REIFENGRÖßE

Welche Größe ist denn nun die Richtige für unser Fahrzeug? groß sieht geil aus - keine Frage - aber ist groß auch gleich sinnvoll? Eines mal vorneweg - je größer der Reifendurchmesser, umso weniger Drehmoment kann das Fahrzeug über die Achsen auf die Straße bzw. Piste bringen - dafür erhöht sich aufgrund des größeren Abrollumfangs die erreichbare Maximalgeschwindigkeit. Eines der wichtigsten Kriterien bei der Wahl der Reifengröße ist meines Erachtens die Erhaltung des Lenkeinschlages! Was bringen mir 14R20 wenn ich dann bei jedem Pass anfangen muss zu rangieren, da mein originaler Wendekreis einfach nicht mehr gegeben ist - oder der Reifen anfängt überall zu schleifen. -> Wenn man also auf 20" tendiert kann man auch ruhig einen etwas kleineren Reifen wählen - bei 22,5 eher den nächst größeren.

 

PROFIL

Ein weiteres Kriterium anhand welchem wir die Reifenauswahl reduzieren können. Straßen Profil (Sommer, Winter oder beides) - Baustellenprofil - oder die Offroad Profile XZL und wie sie alle heißen... Eines ist mal klar - abgefahren sehen sie alle wieder gleich aus! Welches Profil nun das Richtige darstellt soll auch jeder für sich entscheiden. Unsere Wahl ist auf ein Standard Baustellenprofil gefallen - günstig - vom Hersteller für die gemischte Anwendung in Baustellen (Kiesgruben etc.) und Straße entwickelt - trifft eig. wie Faust aufs Auge für unseren Zweck, da wir auf Pisten unterwegs sind - aber eben auch nicht jeden Tag. Das Profil gezielt zum Sandfahren auswählen halte ich für unnötig, denn wir sind keine Rallye Trucks - wir fahren zwar gerne im Sand - aber den gibts nun wirklich nicht überall und ist auf einer Fernreise eher selten zu sehen.

 

SCHLAUCHLOS oder mit SCHLAUCH

Wieder so eine Glaubensfrage... Wir fahren Schlauchlos! Mit Schlauch hat man den klaren Vorteil dass man auch mit einem größeren Loch in der Karkasse durch einen geflickten Schlauch dennoch weiter fahren könnte (aber wie oft kommt das vor?) Des weiteren ist die Reifenmontage bzw. vor allem das füllen der Reifen sehr viel einfacher da wohl kaum jemand einen 500l Kompressor dabei hat um die Schlauchlosen ordentlich aufzupusten. Geht auch ohne - ja - mit Bremsenreiniger etc. ihr kennt ja die Videos  - bis es soweit kommt müssen aber erstmal drei Reifen schlapp machen, da wir ja noch zwei vollwertige Ersatzräder dabei haben! Der Vorteil von Schlauchlosen Reifen liegt dann beim Fahren mit geringeren Luftdrücken, da sich die Karkasse theoretisch frei auf der Felge bewegen kann und nicht wie bei einem Reifen mit Schlauch die Ventile mit abschert, da der Schlauch "mitgezogen" wird.

 

Anhand der gesammelten Informationen kann auch jeder Reifenhändler etwas anfangen und euch ein Paar Reifen unterbreiten. 

 

ACHTUNG! Bitte lasst die Finger von alten Reifen die vermeintlich noch gut aussehen aber schon einige Jahre auf dem Buckel haben! Kauft ihr euch denn auch gebrauchte Schuhe oder zieht welche aus dem Museum an? Meiner Meinung nach wird hier an der Falschen stelle gespart! Die Gummis altern nun einmal - auch wenn sie im Schatten gelagert wurden. An die Eigenschaften eines neuen Reifens kommt kein alter gebrauchter oder gar nachgeschnittener ran! Eine alte Karkasse in Verbindung mit niedrigem Luftdruck im Sand oder auf Pisten kann fatale Folgen haben - der Mantel ist wesentlich poröser, kleine Haarrisse zeugen evtl. schon davon und die Elastizität ist einfach nicht mehr gegeben - hier kommt es dann viel schneller zu ernsthaften Verletzungen der Karkasse und die vermeintlich gesparten Kosten rächen sich!

 

 

 

STICHWORT SAND

Jetzt sind wir auch schon bei DEM Thema... jeder hat hierbei seine eigene Meinung und jeder muss ganz einfach auch SEINE Erfahrungen damit machen! - Runter auf 0,5 bar dann kommen wir da schon durch - Naja ob das wirklich sein muss ist mal dahingestellt! Eines ist mal klar - kein Reifen wurde vom Hersteller dafür ausgelegt mit fast keiner Luft zu fahren! Wir fahren 13R22,5 die sehen schon mächtig aus, sind aber vergleichsweise schmal. Dennoch sind wir damit mit einem Luftdruck von 4bar vorne und 6bar hinten super durch die Piste am Erg Chegagga gekommen! Wir fahren übrigens unsere Reifen im Normalbetrieb mit 7,5 bar! Auf Wellblechpisten gehen wir dann schon auch mal ein bisschen runter - max. 15%. Aber Grundsätzlich versuchen wir so viel Druck in den Reifen zu haben wie möglich - mit dem Hintergedanken möglichst lange mit Ihnen unterwegs zu sein!