Hilfsrahmen selber bauen

Es fehlt nun noch die Schnittstelle von LKW Lütje und der neuen Wohnung - dem Baucontainer. 

 

Hätten wir anstelle eines 1017 AF (A - Allrad / F - Feuerwehr) einen 1017 A von z.B. dem THW oder der BW als Basisfahrzeug gewählt, so wäre meist solch ein Rahmen schon vorhanden da diese Fahrzeuge als Pritsche ausgeliefert wurden und bereits mit einem Hilfsrahmen gelagert sind. -> Dann wäre die einfachste Lösung gewesen den Container als Ladung auf die Pritsche zu setzte, gescheit zu verzurren und fertig!

 

Aber wir wollten nunmal eine Feuerwehr! 

 

Da alle Aufbauten demontiert wurden war es notwendig einen geeigneten Hilfsrahmen zu konstruieren welcher die Wohnkabine aufnimmt, eine Verschränkung des Fahrgestells zulässt und dabei keine Torsionskräfte in den Container einleitet.

 

Das klingt natürlich wieder sehr komplex und aufwendig. Bei näherer Betrachtung wird jedoch auch dieses Problem als lösbar anerkannt.

 

Man nehme ein Maßband und überprüft erstmal alle Maße vom LKW -> (Rahmenbreite, Überhang von 60% des Radstandes markieren, die 4880 mm (Container länge) in Richtung Fahrerhaus messen und hoffentlich nicht am Lenkrad rauskommen :D

 

passt alles? Sehr gut! 

 

Dann gehen wir mal tiefer in die Materie, oder wir nehmen uns die Aufbaurichtlinien von Mercedes zur Hand - die findet man im Internet - am besten jene, welche dem Baujahr des LKW's entsprechen. Darin steht dann welcher Stahl für den Bau des Hilfsrahmens zu verwenden ist, welche Profilabmessungen empfohlen sind und wie der Rahmen zuletzt mit dem Fahrgestell zu verbinden ist. 

 

Also ab ans Zeichenbrett oder das CAD, alle Maße in eine Zeichnung umsetzten und für das Gewissen auch noch eine Belastungsanalyse in Form von einfachen Durchbiegungsberechnungen vornehmen. Wer sich mit FEM (Finite-Elemente-Methode) auskennt kann die natürlich auch nochmal drüber laufen lassen. Aber wenn unseren Profile in der Güte, Festigkeitsklasse und dem Widerstandsmoment denen der Aufbaurichtlinien entsprechen sind wir auf einem guten Weg!

 

Für die Längsträger haben wir 100x60x5 mm Rechteckrohre verwendet, die Querverstrebungen sind aus 100x50x5 und die Querträger mit Twistlockbefestigung gibts für Container ganz einfach bei Ebay.

 

Okay, auf dem Papier war das Ganze recht leicht anzufertigen. In der Realität wird das dann aber doch etwas schwerer. Aber mit ein paar Muckis ist der Stahl auch zu Händeln!

 

Wie geht es also weiter wenn alles im Hof liegt?

 

  1. Fahrzeug in Wage stellen
  2. Profile vorbereiten (Ausschnitte)
  3. alles erstmal lose auf dem Fahrgestellrahmen zusammensetzten
  4. nocheinmal alle Maße überprüfen
  5. Batterie abklemmen (Sehr wichtig wenn am Fahrzeug geschweißt wird!)
  6. den noch losen Hilfsrahmen heften
  7. ein paar Starke Jungs zusammen trommeln, die den Rahmen mit anheben um ihn aufzubocken
  8. LKW darunter rausfahren 
  9. Rahmen durchschweißen

 

Was jetzt noch fehlt sind die Konsolen, über welche später die Federlagerung arbeitet und die Heckseitige schubfeste Verbindung des Hilfsrahmens mit dem Fahrgestell. Das sind im einfachsten Falle zwei Stahlbleche t=10mm welche am Hilfsrahmen angeschweißt werden und durch die Vorhanden Löcher im Fahrgestell verschraubt werden. Sind keine oder zu wenig Löcher vorhanden...  werden eben welche gebohrt! Was dabei zu beachten ist steht ebenfalls in den Aufbaurichtlinien! Unsere heckseitige Verbindung bildet zugleich die Aufnahme des hinteren Unterfahrschutzes (den der TÜV sehen will), welcher klappbar ausgeführt ist um im Gelände den Böschungswinkel auszureizen zu können.

 

 

Das ganze wird natürlich auch noch Gestrichen (Die Rohre wurden bereits grundiert geliefert) und von innen mit Hohlraumwachs versiegelt. Wer möchte kann natürlich auch gerne seinen Rahmen verzinken damit er auch ja nie rostet - meines Erachtens aber nicht zwingend notwendig!

 

Zum Thema Federlagerung... Hier wurde eine Vorspannkraft der Federn von ca. 600kg eingestellt, so dass der Aufbau später nicht gleich in jeder Kurve anfängt zum Hüpfen. Das ganze lässt sich natürlich auch noch während des Betriebs nachjustieren. - hierbei gilt es insbesondere zu beachten dass die Federn noch einen ausreichend großen Federweg aufweisen um die Verschränkung des Fahrgestells im Gelände zu gewährleisten.

 

Zu guter letzt steht dann noch der Verschränkungstest an, um sicherzustellen dass das was auf dem Papier entworfen und berechnet wurde auch seine Funktion erfüllt.